Junge Menschen sind in der Politik noch immer eine Seltenheit, das verrät unter anderem ein Blick in den aktuellen Regensburger Stadtrat. Doch es gibt sie, „diese jungen Leute“, die Lust haben, Politik aktiv mitzugestalten.

Zwei von ihnen haben bei einer Townhall-Diskussion der Grünen Jugend Regensburg (GJR) am 3. März über ihre Erfahrungen berichtet und sich den Fragen des Publikums gestellt. Begrüßt wurde der Münchner Landtagsabgeordnete Florian Siekmann, der im Jahr 2018 im Alter von 23 Jahren als jüngster Abgeordneter aller Zeiten in den bayerischen Landtag einzog. Mit ihm diskutierte die 21-jährige Anna Hopfe, Spitzenkandidatin der GJR zur anstehenden Kommunalwahl. Anna kandidiert auf Platz 3 der Grünen Liste und hat gute Chancen, das jüngste Mitglied im nächsten Regensburger Stadtrat zu werden. Moderiert wurde die Veranstaltung von Daniel Gaittet (28), welcher der zweite GJR-Spitzenkandidat zur Kommunalwahl ist und aussichtsreich auf Listenplatz 4 für die Grünen kandidiert.

Eine der ersten Fragen, die das Publikum beschäftigte, drehte sich um den häufig genannten Kritikpunkt, jungen Menschen hätten zu wenig Erfahrung, um in der Politik mitmischen zu können. Anna ist sich sicher: „Wir alle sind in einer Welt aufgewachsen, in der mehrheitlich ältere Männer an wichtigen Entscheidungspositionen sitzen. Daher kommt die Skepsis, wenn zum Beispiel junge Frauen den Anspruch erheben, mitzubestimmen.“ Schnell stellt sich bei vielen die Frage: „Kann sie das überhaupt?“ Anna ist allerdings motiviert, trotz der Vorurteile weiterzukämpfen: „Jemand muss den ersten Schritt machen, um langfristig als Vorbild zu fungieren. Ich möchte nach meiner politischen Sacharbeit beurteilt werden und nicht nach meinem Alter oder Aussehen. Da müssen wir hin.“

Anna lud die Gäste außerdem ein, die Perspektive zu wechseln. „Wenn über Erfahrung gesprochen wird, die man bräuchte, um Politik zu machen, geht es meist um angesammelte Lebensjahre oder Berufserfahrung. Aber was ist mit den typischen Erfahrungen junger Menschen? Ich meine, relativ wenig Geld zur Verfügung zu haben, kein eigenes Auto zu besitzen und deshalb auf die Öffis angewiesen zu sein? Niemand spricht darüber, dass diese Erfahrungen der Mehrheit der aktuellen Ratsmitglieder fehlen.“ Junge Politiker*innen bringen deshalb neue Lebensrealitäten in die Parlamente und Räte mit, die unbedingt mehr Beachtung finden müssen. Florian berichtet aus dem Bayerischen Landtag: „Wenn ältere Abgeordnete bei deiner Rede dazwischenrufen ‚Mach doch erst mal dein Studium fertig‘, dann weißt du, dass du argumentativ schon gewonnen hast“.

Fotograf: Thomas Knorr

Ein weiteres Thema, dass einige der Anwesenden beschäftigte war, wie junge Menschen es schaffen, sich gegenüber älteren Politiker*innen durchzusetzen. Florian hatte auf diese Frage drei wertvolle Tipps parat: „Man muss den Mut haben, sich ans Rednerpult zu stellen und seine Meinung zu vertreten. Natürlich sollte man immer gut vorbereitet sein, so gut, dass man den älteren Kolleg*innen wo nötig den Spiegel vorhalten kann. Zuletzt muss man sich im klaren sein, dass man auch als junger Abgeordneter alle parlamentarischen Register ziehen kann und sollte!“.

Aber auch mit inhaltlichen Fragen beschäftigten sich die beiden Jungpolitiker*innen, beispielsweise mit der Forderung nach Klimaneutralität, die auf Annas Wahlplakat zu lesen ist. Die Stadtratskandidatin erklärte, was mit „Klimaneutralität“ gemeint ist und wie das Ziel erreicht werden kann. Die Themen Verkehrswende, Energieerzeugung und Energieeffizienz stellten hier zentrale Stellschrauben dar. Florian ergänzte, dass durch gezielte Maßnahmen bei den Themen Strom, Wärme und Verkehr nicht nur einzelne Städte, sondern sogar ganz Bayern klimaneutral werden müsse.

Überraschend war, welchem Vorurteil gegenüber jungen Menschen in der Politik Anna und Florian überdrüssig sind: Beide berichteten, dass sie häufig als „zu idealistisch“ und zu „visionär“ betitelt werden. Dies sei für sie jedoch vielmehr ein Kompliment, „denn Politik ohne Visionen gibt sich mit dem Status Quo zufrieden und lässt keine Veränderungen zu“, so Anna. Dem konnte Florian nur zustimmen: „Wer Visionen hat, sollte nicht zum Arzt, sondern zur Grünen Jugend gehen“.

In der abschließenden Schnellfragerunde forderte Moderator Daniel seine Co-Spitzenkandidatin auf einige Entweder-oder-Fragen zu beantworten. „Wolbergs oder Freudenstein?“ das Publikum lachte. „Stefan Christoph“ antwortete Anna überzeugt.

Stefan Christoph ist mit seinen 31 Jahren der jüngste Kandidat für das Amt des Regensburger Oberbürgermeisters und damit auf gewisse Weise selbst noch einer „dieser jungen Leute“, die mit ihren Visionen die Politik nachhaltig verändern wollen.